Gitarre stimmen heißt, jede der sechs Saiten auf die richtige Tonhöhe zu bringen. Die Standardstimmung lautet von der dicksten zur dünnsten Saite E-A-D-G-H-E (im Englischen: E-A-D-G-B-E). Am schnellsten gelingt das mit einem chromatischen Stimmgerät oder einer Stimm-App, alternativ per Gehör mit der 5-Bund-Methode.
Eine verstimmte Gitarre klingt selbst bei perfektem Spiel falsch. Bevor du übst, solltest du deine Gitarre deshalb immer zuerst stimmen. Das dauert keine Minute und sorgt dafür, dass Akkorde sauber klingen und dein Gehör sich richtige Tonhöhen einprägt. In dieser Anleitung lernst du die Standardstimmung kennen und stimmst deine Gitarre mit Gerät, App oder nach Gehör.
Die Standardstimmung: E A D G H E
Die meisten Gitarren werden in der sogenannten Standardstimmung gestimmt. Von der dicksten zur dünnsten Saite sind das die Töne E, A, D, G, H und E. Eine bewährte Eselsbrücke dafür ist der Satz „Ein Anfänger der Gitarre hält’s einfach“. Wichtig: Das deutsche H heißt im englischen Raum B – verlass dich beim Stimmgerät also nicht auf den Buchstaben allein, sondern auf die Reihenfolge der Saiten.
Dahinter steckt eine praktische Logik: Die Stimmung hat sich über Jahrhunderte so eingespielt, weil sich damit gängige Akkordgriffe besonders bequem greifen lassen. Wer die Grundlagen der Harmonielehre vertiefen will, findet im Beitrag Akkorde verstehen den passenden Einstieg.
Mit Stimmgerät oder App stimmen
Der einfachste Weg ist ein chromatisches Stimmgerät (es erkennt automatisch, welchen Ton du gerade spielst) oder eine Stimm-App auf dem Smartphone. So gehst du vor: Spiele eine Saite einzeln an. Das Gerät zeigt den erkannten Ton und ob er zu tief oder zu hoch ist. Drehe die zugehörige Stimmmechanik langsam, bis die Anzeige genau in der Mitte steht. Arbeite dich Saite für Saite durch – am besten von der tiefen E-Saite zur hohen.
Smartphone-Apps sind heute extrem verbreitet: Allein im Google Play Store kamen die populärsten kostenlosen Gitarren-Stimm-Apps laut den dort öffentlich angezeigten Download-Zahlen (Stand 2026) zusammen auf weit über 100 Millionen Installationen. Welche App-Funktionen sich wirklich lohnen, vergleichen wir im Artikel Stimm-Apps im Vergleich.
Tipp: Stimme eine Saite immer von unten an die richtige Tonhöhe heran. Drehe also bewusst etwas zu tief und dann nach oben zum Zielton. So bleibt die Stimmung stabiler, weil die Saite weniger nachrutscht.
Nach Gehör stimmen (die 5-Bund-Methode)
Ohne Gerät kannst du deine Gitarre auch relativ zu sich selbst stimmen. Dafür brauchst du nur einen verlässlichen Referenzton für die tiefe E-Saite, etwa von einer Stimmgabel, einem Klavier oder einer App. Danach gilt die 5-Bund-Regel: Greifst du eine Saite im 5. Bund, klingt sie wie die nächsthöhere leere Saite.
| Du greifst | im Bund | klingt wie leere Saite |
|---|---|---|
| E (6.) | 5 | A (5.) |
| A (5.) | 5 | D (4.) |
| D (4.) | 5 | G (3.) |
| G (3.) | 4 | H (2.) |
| H (2.) | 5 | E (1.) |
Beachte die Ausnahme: Beim Sprung von der G- zur H-Saite greifst du den 4. Bund statt den 5. Das Stimmen nach Gehör schult dein Ohr spürbar und hilft dir später beim freien Spiel. Wer ganz am Anfang steht, kombiniert es am besten mit dem Leitfaden Gitarre lernen für Einsteiger.
Warum sich Gitarren verstimmen
Gitarren verstimmen sich ganz natürlich. Das ist kein Defekt. Hauptursachen sind Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen, die das Holz arbeiten lassen, sowie neue Saiten, die sich erst dehnen müssen. Auch kräftiges Spiel und Bendings ziehen Saiten leicht aus der Stimmung. Beim Bau von Akustikgitarren gilt dazu eine Faustregel aus der Praxis: Massives Tonholz reagiert besonders empfindlich auf eine Raumluftfeuchte unter 40 oder über 60 Prozent. Wer sich für den Kauf einer Akustikgitarre interessiert, sollte diesen Punkt bei der Pflege im Hinterkopf behalten.
Frisch aufgezogene Saiten musst du in den ersten Tagen mehrfach nachstimmen, bis sie sich gesetzt haben. Danach reicht meist ein kurzer Check vor jeder Übungseinheit. Wer elektrisch spielt, sollte zusätzlich auf den richtigen Verstärker achten – worauf es dabei ankommt, erklärt der Gitarrenverstärker-Ratgeber.
Häufige Fragen
Wie stimme ich meine Gitarre als absoluter Anfänger?
Am einfachsten mit einer kostenlosen Stimm-App: Saite einzeln anspielen, Mechanik drehen, bis die Anzeige mittig steht. Beginne mit der dicken E-Saite und arbeite dich zur dünnen vor.
Was ist die Standardstimmung der Gitarre?
Von der dicksten zur dünnsten Saite: E, A, D, G, H und E. Das deutsche H wird im Englischen B genannt.
Wie oft muss ich meine Gitarre stimmen?
Idealerweise vor jeder Übungseinheit. Neue Saiten musst du in den ersten Tagen häufiger nachstimmen, bis sie sich gedehnt haben.
Kann ich ohne Stimmgerät stimmen?
Ja, mit der 5-Bund-Methode relativ zu einem Referenzton. Du greifst jede Saite im 5. Bund (G zu H im 4.) und stimmst die nächste leere Saite darauf ab.
Fazit
Gitarre stimmen gehört vor jede Übungseinheit, genauso selbstverständlich wie das Aufwärmen der Finger. Am Anfang übernimmt ein Stimmgerät oder eine App die Feinarbeit; das Stimmen nach Gehör kommt am besten nebenbei dazu, sobald die Standardstimmung E-A-D-G-H-E schon sitzt.
Sobald gestimmt ist, sind die wichtigsten Grundakkorde der nächste logische Schritt.
Ist die E-Gitarre gestimmt, kann es losgehen: Powerchords, erste Riffs und einen Übungsplan zeigt E-Gitarre lernen Schritt für Schritt.

